VON ANNE BURKARD (GÖTTINGEN), DAVID LAUER (KIEL), DAVID LÖWENSTEIN (DÜSSELDORF) UND ALMUT KRISTINE VON WEDELSTAEDT (BIELEFELD)
Was können wir für die philosophische Lehre in Deutschland daraus lernen, wie anderswo Philosophie gelehrt wird? Im neuen Themenschwerpunkt sind Philosophie-Lehrende, die sowohl Erfahrungen mit dem deutschen Hochschulsystem als auch mit der Lehre in einem anderen Land haben, dazu eingeladen, ihren „Blick von anderswo“ einzubringen und die hiesige Praxis dadurch zu reflektieren.
Häufig erscheinen uns unsere jeweiligen Lehrpraktiken und deren Rahmenbedingungen so selbstverständlich, dass es uns schwer fällt, ihre konkrete Ausgestaltung, die mit ihnen verbundenen Restriktionen und Schwierigkeiten, aber auch ihre Chancen klar zu sehen. Noch schwieriger ist es, vor dem Hintergrund einer gegebenen, als selbstverständlich empfundenen Praxis Alternativen zu entwickeln und umzusetzen – oder auch nur zu imaginieren.
Die Erfahrungen mit anderen Lehrpraktiken und Rahmenbedingungen können helfen – so die Idee hinter diesem Themenschwerpunkt –, vermeintliche Selbstverständlichkeiten sichtbar zu machen, zu reflektieren und mit Alternativen zu vergleichen. Auf diese Weise könnten einerseits fruchtbare Veränderungen für die jeweilige eigene Lehre, für die Weiterentwicklung von Strukturen an Instituten oder in der Fachcommunity angestoßen werden. Andererseits mag die eine oder andere althergebrachte Praxis durch den Blick von anderswo auch in neuem, wärmerem Licht erscheinen und auf diese Weise ein Anstoß dafür gegeben werden, diese Praxis in Zeiten des Umbruchs neu und besser reflektiert zu verteidigen.
Beitragende zu diesem Themenschwerpunkt sind dazu eingeladen, mit Blick auf Beispiele für philosophische Lehre außerhalb Deutschlands ihre Erfahrungen zu teilen und zu reflektieren. Zu den Fragen, um die es dabei gehen kann, gehören unter anderem:
- Welche Praktiken gibt es in Lehrveranstaltungen?
- Wer hat welche Redeanteile in Seminaren?
- Welchen Umgang mit Seminarlektüren gibt es, z.B. mit Blick auf den Umfang und die Lesepraxis?
- Wie werden Prüfungen gestaltet?
- Wie wird Anwesenheit in Lehrveranstaltungen geregelt?
- Wie setzt sich die Studierendenschaft zusammen, etwa mit Blick auf Alter, Bildungshintergründe oder Geschlecht?
- Welche Ziele verfolgt das Philosophiestudium?
- Wie wird mit unterschiedlichen Sprachen umgegangen (Sprache der Texte oder der Seminardiskussion, auch im Verhältnis zu den Erstsprachen der Teilnehmenden)?
- Gibt es etwas, das in dem einen System fehlt, das es im anderen gibt?
- Was waren oder sind in der eigenen Wahrnehmung besonders auffällige Unterschiede?
Beiträge zum Themenschwerpunkt werden in den kommenden Wochen und später in lockerer Abfolge veröffentlicht. Interessierte mit entsprechenden Lehrerfahrungen in Deutschland und einem oder mehreren anderen Ländern sind herzlich eingeladen, sich mit Vorschlägen für Beiträge an uns zu wenden. Allgemeine Hinweise zum Verfassen der Blog-Beiträge finden sich hier.
Die Beiträge erscheinen wie immer im Rahmen des regulären Blog-Programms werden und einen Hinweis auf den Themenschwerpunkt enthalten. Auch im Themen-Archiv sind sie auf einer eigenen Seite zum Schwerpunkt auffindbar.
Zu den Personen
Anne Burkard ist Professorin für Didaktik der Philosophie und das Fach Werte und Normen an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie befasst sich unter anderem im Rahmen des Netzwerks „Argumentieren in der Schule“ mit der Förderung argumentativer Fähigkeiten im Philosophie- und Ethikunterricht. Im Rahmen von „Philovernetzt“ und anderen Projekten arbeitet sie mit Kolleg:innen daran, die Vielfalt der Philosophie für den Unterricht besser zugänglich zu machen. Sie ist Mitbegründerin und Redaktionsmitglied bei LehrGut.org.
David Lauer, promoviert und habilitiert an der Freien Universität Berlin, lehrt Philosophie als Privatdozent und unbefristeter wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Aufgabenschwerpunkt Lehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sein Arbeitsgebiet ist die Theoretische Philosophie mit den Themenschwerpunkten Sprache, Verstehen, Intentionalität, Selbstbewusstsein und Sozialität des Geistes. Regelmäßig schreibt er philosophische Beiträge für Zeitschriften und die Sendung „Sein und Streit“ auf Deutschlandfunk Kultur. Er ist Mitbegründer und Redaktionsmitglied bei LehrGut.org.
David Löwenstein lehrt Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Interessen liegen vor allem in verschiedenen Bereichen der theoretischen Philosophie und der Didaktik der Philosophie. Er leitet das Wissenschaftliche Netzwerk „Argumentieren in der Schule“ und ist Teil des interaktiven Public-Philosophy-Projekts „denXte“, vor allem als Initiator, Koordinator und Co-Host des Podcasts „mitgedacht“. Er ist Mitbegründer und Redaktionsmitglied bei LehrGut.org.
Almut Kristine von Wedelstaedt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung Philosophie der Universität Bielefeld. Dort ist sie zuständig u.a. für Studienorganisation, Studiengangsentwicklung und Geschäftsführung der Abteilung. Philosophisch arbeitet sie im Bereich der Praktischen Philosophie, momentan meist zu Fragen der Sexualphilosophie. Sie ist Mitbegründerin und Redaktionsmitglied bei LehrGut.org.
Veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.
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